Antonia Mertsching Mitglied des Sächsischen Landtags
# Afrikanische Schweinepest

ASP bekämpft man nicht nebenbei – konsequente Seuchenbekämpfung dringend notwendig!

13. April 2022

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich seit dem Erstnachweis im Oktober 2020 trotz eingeleiteter Gegenmaßnahmen und scheinbar ausgeklügelter Bekämpfungsstrategien in Sachsen weiter aus.

Warum das so ist hat Antonia Mertsching, Sprecherin für Umwelt und Landwirtschaft der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, bei der Staatsregierung erfragt. Sie erklärt dazu:

„Brandenburg macht es vor: Das Nachbarland hat es geschafft, die Ausbreitung der Seuche einzudämmen. In Sachsen dagegen scheinen alle beteiligten Gremien überfordert: Die Tatsache, dass lediglich zwei Mitarbeiter auf Ministerialebene mit der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest befasst sind (Drucksache 7/9160), ist ein echter Skandal! Das Gros der Arbeit liegt aufgrund der Zuständigkeit bei den Landkreisen. Dort werden die ohnehin schon am Limit arbeitenden, kaputt gesparten Behörden wie die Veterinärämter, auch noch mit dieser immensen Herausforderung betraut, ohne dabei personell unterstützt zu werden. Das Ergebnis bekommt jeder Schweinehalter zu spüren.

Zur Frage, wie viel Zeit den Mitarbeitenden zur Verfügung steht und ob eine effektive Seuchenbekämpfung damit zu bewerkstelligen ist, liegen der Staatsregierung nach eigenen Aussagen keine Informationen vor (Drucksache 7/9160). Wie soll so eine zielführende Koordination und Anpassung der Maßnahmen erfolgen? Deshalb verwundert es nicht, dass wesentliche Bekämpfungsmaßnahmen, wie der Zaunbau, schleppend und lückenhaft laufen. Die dringend notwendige Reduktion der Schwarzwildbestände ist sogar rückläufig. Die eigens dafür angeschafften Fanganlagen weisen eine äußerst geringe Fangquote auf oder kommen erst gar nicht zum Einsatz. Ein wertvolles, hocheffizientes Netzfallensystem wird in einem nicht betroffenen Gebiet bei Bärenfels eingesetzt und fehlt damit an anderer Stelle (Drucksache 7/9161).

Ich erwarte von der Staatsregierung entschlossenes und konsequentes Handeln im Kampf gegen die ASP! Das Ziel, die Tierseuche möglichst rasch zu tilgen oder zumindest zu stoppen, sollte oberste Priorität haben und nicht von Mitarbeiter:innen „neben ihren eigentlichen Aufgabengebieten“ erledigt werden. Immerhin wirkt sich diese Mangelverwaltung auf über 3.000 Betriebe im Freistaat aus!

Seit die ASP im Oktober 2020 erstmals in Sachsen aufgetreten ist, hat sich die Situation der schweinehaltenden Betriebe drastisch verschlechtert. Neben dem allgemeinen Preisverfall und coronabedingten Umsatzeinbußen, mussten die Betriebe den sofortigen Exportstopp in Drittländer verkraften. Damit nicht genug, haben schweinehaltende Betriebe in den so genannten Restriktionszonen - Gebieten, in denen das Virus an Wildschweinkadavern nachgewiesen wurde - mit noch viel weitreichenderen Einschränkungen und Problemen zu kämpfen.

Das größte Problem ergibt sich aus dem gravierenden Mangel an Schlachtkapazitäten. Lediglich ein kleiner Schlachthof in Sachsen und ein größerer Schlachthof in Norddeutschland nehmen Tiere aus den von der Seuche betroffenen Gebieten an. Das ist nicht nur mit erheblichen Mehrkosten für die Betriebe, sondern wegen der weiten Fahrwege mit viel Tierleid verbunden. Aufgrund der viel zu geringen Schlachtkapazitäten verbleiben die Schweine zu lange in den Betrieben und nehmen weiter an Gewicht zu, was zu starken Belastungen und im Extremfall zum Erstickungstod führen kann. Derzeit befinden sich über 800 Schweinehaltungen mit weit über 200.000 Hausschweinen in den drei sächsischen Restriktionszonen.

zur Startseite